Depression: Symptome und Anzeichen

Depression-Symptome-AnzeichenDie Depression ist die häufigste psychische Erkrankung nicht nur in Deutschland. Leider wird sie nicht immer direkt erkannt, obwohl Depressionen natürlich auch unter Medizinern gut bekannt und sehr gut erforscht ist. Ein guter Hausarzt kann anhand der Symptome und Anzeichen eine Depression erkennen und an einen entsprechenden Facharzt oder Therapeuten weiterverweisen. Aber auch du kannst, solltest du selbst oder jemand in deinem Umfeld betroffen sein, auf die Symptome und Anzeichen achten. Solltest du den Verdacht einer Depression haben, kannst du dich so schnell um Hilfe kümmern. Denn Depressionen sind heute sehr gut behandelbar.

Hauptsymptome einer Depression

Bei der Diagnostik einer Depression unterschieden in Hauptsymptome, Zusatzsymptome und körperliche Anzeichen, die wiederum aus den Symptomen resultieren. Drei Symptome werden zu den Hauptsymptomen gezählt: eine negative Grundstimmung, ein allgemeiner Interessenverlust und Antriebslosigkeit. Diese drei Symptome sind nicht trennscharf zu betrachten, sondern für jeden Einzelfall fällt das Verhalten überwiegend in eine oder mehrere dieser Kategorien.

Die negative Grundstimmung ist zugleich auch das wesentliche Merkmal einer Depression. Gemeint ist eine tiefe Stimmungsverschlechterung im Vergleich zu einer “normalen” Stimmungslage – sowohl gemessen an einem Durschnitt als auch an der “normalen” Stimmungslage der betroffenen Person. Ein “Schlechtdraufsein” oder Gereiztheit fällt nicht darunter – das ist jeder mal. Viel mehr macht sich die negative Grundstimmung als tief empfundene innere Leere oder einem Gefühl der Gefühllosigkeit bemerkbar.

Das zweite Hauptsymptom des Interessenverlusts kann sich auf ganz unterschiedliche Bereiche beziehen. Betroffene zeigen kein Interesse mehr an sich selbst und vor allem nicht mehr an ihrem sozialen Umfeld. Emotionale Reaktionen sind nicht mehr möglich. Auch Hilfe oder Zuspruch von anderen kann nicht wahrgenommen werden. In der Folge entsteht eine ausgesprochene Freudlosigkeit beim Betroffenen.

Das dritte Hauptsymptom ist schließlich die Antriebslosigkeit. Diese zeigt bisweilen extreme Ausmaße, sodass nicht einmal einfache Handlungen mehr möglich erscheinen. Selbst die eigene Hygiene kann im extremen Fall gänzlich eingestellt werden. Wichtig hier ist, dass der Betroffene etwas nicht machen will, sondern einfache Handlung schlicht aus mentalen Hindernissen heraus nicht ausführen kann.

Alle drei Symptome werden selbst wesentlich durch die negative Gedankenspirale beeinflusst, die sich der Betroffene ausgesetzt sieht. Die negative Grundstimmung führt nicht selten zu einer verschobenen Wahrnehmung beim Betroffenen, sodass die ohnehin bereits negativen Gedanken weiter heruntergezogen werden. Dadurch werden auch die anderen beiden Hauptsymptome weiter verschärft.

Zusatzsymptome der Depression

Neben den Hauptsymptomen kannst du bei Depressionen auch diverse Zusatzsymptome feststellen. Während die drei Hauptsymptome relativ unabhängig vom Alter, Geschlecht oder sozio-kulturellen Hintergrund auftreten, sind die Zusatzsymptome teilweise unterschiedlich zwischen Männern, Frauen, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und so weiter.

Typische Zusatzsymptome sind Konzentrationsschwäche und ein Aufmerksamkeitsdefizit – diese Symptome treten allerdings bei vielen Störungen auf. Auf der Gefühlsebene gibt es als Zusatzsymptome beispielsweise ein geringes Selbstwertgefühl oder Minderwertigkeitsgefühle, ein Gefühl der Schuld und auch Angststörungen sind als Begleiterscheinung einer Depression nicht ungewöhnlich. Frauen zeigen in diesem Bereich häufiger Symptome, beispielsweise ein hypochondrisches Verhalten oder Hilflosigkeit.

Auf der gedanklichen Ebene gehen mit der negativen Gedankenspirale oft suizidale Gedanken einher, die in manchen Fällen kommuniziert werden. Entsprechende Handlungen sind auch möglich – ein tatsächlicher Suizidversuch ist dabei “nur” die schwerste Form. Meist gehen subtile Andeutungen beziehungsweise Handlungen voraus. Hier liegt auch die besondere Schwierigkeit, eine Suizidgefährdung zu erkennen. In manchen Fällen sind sich die Betroffenen ihrer Handlung nicht voll bewusst. Betroffene Männer zeigen in vielen Fällen ein aggressives Verhalten als Zusatzsymptom.

Weitere typische Zusatzsymptome sind Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Diese sind in den meisten Fällen gut zu beobachten. Müdigkeit und schnelles Ermüden sind häufiger bei betroffenen Frauen zu beobachten. Sie sind gut zu ermitteln, da diese zu weiteren körperlichen Folgen führen. Eine Veränderung des Gewichts ist ein Beispiel. Auch eine Gewichtszunahme kann ein körperliches (somatisches) Symptom einer Depression sein.

Depressionen sind durch mehrere Symptome gekennzeichnet

Nicht alle der oben genannten Symptome müssen zutreffen, damit eine Depression vorliegt. Allerdings ist nur eines oder wenige Symptome nicht ausreichend, um auf eine Depression zu schließen. Zum einen muss ein Symptom ausreichend stark vorhanden sein. Wie bereits erwähnt, ist zum Beispiel unter Antriebslosigkeit nicht eine Lustlosigkeit zu verstehen, sondern etwas deutlich Stärkeres. Gleiches gilt entsprechend für die anderen Symptome, insbesondere die Hauptsymptome.

Nach der Anzahl der zutreffenden Symptome lässt sich dann auch die Ausprägung der Depression feststellen. Für eine leichte Depression treffen zwei der Hauptsymptome sowie mindestens zwei der Zusatzsymptome zu. Bei mittelstarken Depressionen treffen neben zwei Hauptsymptome mehr als zwei Zusatzsymptome zu. Liegen alle drei Hauptsymptome und mehrere Zusatzsymptome vor, handelt es sich um eine schwere Depression. Auch hier ist die Kategorisierung nicht trennscharf zu sehen, sondern sie dient einer groben Zuordnung, aus denen sich dann auch die Wahl der Behandlungsmethode ergibt.

Weitere Anzeichen und Risikofaktoren

Ebenfalls bereits weiter oben angedeutet: Du kannst depressives Verhalten auch bei vielen Betroffenen durch körperliche Anzeichen vermuten. Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit sind, wenn nicht gar direkt beobachtbar, durch ihre körperlichen Anzeichen schnell festzustellen. Gewichtsabnahme und die mit Müdigkeit, Gereiztheit, Temperatur- und andere Empfindlichkeiten einhergehende anhaltende Schlaflosigkeit kannst du an dir oder einen Betroffenen in deinem Umfeld schnell ersehen. Allerdings reichen diese Anzeichen allein nicht aus, um auf eine Depression zu schließen. Aber sie lassen dich wachsam werden.

Weitere körperliche Reaktionen auf Depressionen können auch unregelmäßige Schlafrhythmen und ein Verlust der Libido sein. Ein Zurückziehen aus dem sozialen Umfeld und ein mangelndes Reagieren auf das soziale Umfeld ist ein weiteres Anzeichen. Oft werden dafür Gründe vorgeschoben. Wenn wichtige Dinge plötzlich unwichtig werden – sei es eine Person oder auch ein Hobby – kann das ebenfalls ein Anzeichen sein.

Betroffen klagen nicht selten über Schmerzen in der Brust als körperliches Merkmal der Depression. Auch andere schmerzende Stellen kann es geben, vor allem die Gliedmaße oder Kopfschmerzen. Geräuschempfindlichkeit und ein mangelhaftes Zeitempfinden sind ebenfalls mögliche Äußerungen. Da die Depression den Körper des Betroffenen unter Stress setzt, treten nicht selten vermehrt Infektionskrankheiten bei Depressiven auf.

Kann ich mich selbst testen?

Auf verschiedenen Online-Seiten, insbesondere denen gemeinnütziger Hilfsvereine, kannst du einen Selbsttest durchführen. Ein solcher Test ersetzt aber keinesfalls eine ärztliche Diagnose! Wenn du eine Depression bei dir befürchtest, spreche am besten zunächst mit deinem Hausarzt oder einem Facharzt darüber. Bei akuten Problemen kannst du auch in eine Klinik gehen oder zunächst die Telefonseelsorge anrufen. Dort bekommst du auch schnelle Tipps für ein weiteres Handeln gegen eine mögliche Depression und eine erste therapeutische Hilfe.

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