Depression

depressionLeider bestehen in der Bevölkerung noch immer reichlich Missverständnisse zum Thema Depression. Das macht es nicht nur für Betroffene schwierig, mit ihrer Erkrankung umzugehen, sondern sie sehen sich immer wieder in Erklärungsnot. Auch im Umfeld der Betroffenen sehen sich Angehörige und Freunde einer schwierigen Situation gegenüber, mit der Erkrankung des anderen umzugehen und sie oder ihn wirklich zu unterstützen. Hinzu kommt, dass Betroffene oft zunächst gar nicht immer erkennen, dass sie möglicherweise unter Depressionen leiden.

Auf den nachfolgenden Seiten findest du – als mögliche Betroffene, Betroffener oder aus dem Umfeld stammend – einige Hinweise zur Krankheit Depression, ihren Symptomen und Ursachen und einige Tipps, wie mit Depressionen besser umgegangen werden kann. Das soll dir Ängste und Hemmungen nehmen und zum Verständnis beitragen, was Depressionen überhaupt sind, und dass man sie bekämpfen kann. Außerdem sollst du ganz klar auf dem Weg mitbekommen, dass du mit Depressionen nicht allein bist – und Hilfe möglich ist.

Was ist eine Depression?

Aus medizinischer Sicht ist eine Depression eine affektive Störung. Affektiv meint hier, dass die psychische Grundstimmung einer Person betroffen und nicht mehr im Gleichgewicht ist. Bei der Depression ist diese Grundstimmung ins Negative gewandert. Diese negative Grundstimmung ist dabei deutlich und/oder lang anhaltend von einer hypothetischen neutralen Stimmung weg beziehungsweise die Grundstimmung hat sich bei der betroffenen Person entsprechend ins Negative entwickelt. Damit ist ausdrücklich nicht (vorübergehende) Lustlosigkeit oder eine Verstimmung gemeint. Die Depression ist eine psychische Krankheit, die außerhalb der Beeinflussungsmöglichkeit des Betroffenen liegt. Jemand, der depressiv ist, kann aus eigenem Antrieb heraus nichts gegen diese Erkrankung unternehmen.

Neben dieser negativen Grundstimmung sind teils extreme Antriebslosigkeit und vor allem eine negative Gedankenspirale die wesentlichen Merkmale einer Depression. Antriebslosigkeit zeigt sich beispielsweise dadurch, nicht aufstehen zu können. Hier ist nicht die Frage, nicht aufstehen zu wollen, sondern ein Betroffener ist mental schlicht nicht in der Lage, auszustehen – selbst wenn er oder sie will. Auch bei der negativen Gedankenspirale sind die Betroffenen nicht mehr Herr der eigenen Gedanken. Diese kreisen sich wie von selbst um negative Fragen und können bis hin zu Suizidgedanken führen.

Leider ist eine Depression auch begrifflich schwer zu fassen. Allerdings ist sie gut zu erkennen und zu behandeln. Die Depression kann je nach Ursache und Schwere weiter unterschieden werden. Je stärker die Depression, desto mehr Begleiterscheinungen gehen für gewöhnlich mit ihr einher. Diese können beispielsweise eine zurückgehende Sozialkompetenz, mentale und körperliche Leistungsfähigkeit, mangelndes Selbstbewusstsein und geringeres Lustempfinden sein. In schweren Fällen sind auch Störungen im Denkmuster des Betroffenen und Psychosen möglich. Depressionen können auch als Teil weiterer Störungen auftreten, beispielsweise bei einer bipolaren Persönlichkeit.

Ursachen und Risikofaktoren einer Depression

Da es Depressionen in ganz unterschiedlichen Ausprägungen gibt, sind häufig auch die Ursachen vielfältig. Für eine Depression können ganz unterschiedliche Faktoren der Grund sein und in manchen Fällen ist es eine Kombination verschiedener Faktoren. Grob lassen sich die Ursachen und Risikofaktoren einer Depression in biologische und soziale Gründe einteilen.

Zu den biologischen Gründen zählt beispielsweise die genetische Veranlagung zur Depression. Dabei wird die Veranlagung vererbt, nicht die Krankheit an sich. Vermutlich muss mindestens ein weiterer Faktor auftreten, damit sich eine Depression entwickelt. Ein weiterer biologischer Faktor kann in der Signalübertragung im Gehirn liegen, unter Beteiligung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Sind die Transmitterprozesse gestört, können Depressionen die Folge sein. Eine ähnliche Folge kann bei mangelndem Vitamin D (wird bei Sonnenlicht gebildet) auftreten, Hauptursache für die Winterdepression.

Depressionen können zudem durch andere Ungleichgewichte im Körper auftreten. Bei schweren Infektionen und Erkrankungen, insbesondere Entzündungen und Virenerkrankungen, können in der Folge auch Depressionen auftreten. Eine Veränderung des Hormonhaushalts kann ebenfalls zu Depressionen führen. Die Schwangerschaftsdepression und der Baby Blues nach der Geburt lassen sich oft auf die Hormonumstellung zurückführen. Nicht zuletzt erhöhen bestimmte Medikamente, Dopingmittel, Drogen- und Alkoholmissbrauch die Wahrscheinlichkeit einer Depression.

Daneben können verschiedene soziale Einflüsse Depressionen bedingen oder die Gefahr einer Depression steigern. Ist mindestens ein Elternteil depressiv, erhöht sich beim Kind die Wahrscheinlichkeit einer Depression. Auch über das weitere soziale Umfeld kann eine Depression gefördert werden, beispielsweise durch eine mangelnde soziale Anerkennung, Stress oder über negative Erlebnisse (von einer erlernten Hilflosigkeit über falsch erlerntes Denken und selektives Wahrnehmen bis zu schweren Traumata).

In aller Regel treten mehrere Gründe zugleich auf, die dann die Depression auslösen. Die ganz unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten verhindern aber nicht eine genaue Diagnose. Solltest du von einer Depression betroffen sein, sind sehr wahrscheinlich mehrere der obigen Faktoren dafür verantwortlich.

Symptome einer Depression

Trotz der vielfältigen Ursachen zeigt sich die Depression bei den Betroffenen oft in ähnlicher Art und Weise. Nach den Leitlinien zur Diagnostik einer Depression wird zwischen Hauptsymptomen und Zusatzsymptomen einer Depression unterschieden. Da die Symptome begrifflich nicht immer einfach zu fassen sind, sollen diese im Folgenden ein wenig genauer beschrieben werden. So hast du einen besseren Anhaltspunkt, was auf dich zutreffen könnte.

Die drei Hautsymptome der Depression wurden oben bereits genannt: eine negative Grundstimmung, Antriebslosigkeit und ein allgemeiner Interessenverlust. Die negative Grundstimmung ist wesentlich mehr, als nur “schlecht drauf” zu sein. Typische Merkmale sind ein anhaltend negatives Gefühl, das Gefühl, nichts zu fühlen, oder eine innere Leere zu verspüren. Alles wird als negativ wahrgenommen, die eigenen Gedanken drehen sich um negative Dinge und lassen sich nicht mehr kontrollieren.

Die Antriebslosigkeit kann sich in einer permanenten Müdigkeit äußern, einem schnellen Erschöpftsein oder einer umfassend empfundenen Freudlosigkeit. Betroffenen fällt es oft schwer, selbst einfache Dinge noch selbstständig zu verrichten. Das kann so weit führen, dass selbst die eigene Körperhygiene keine Rolle mehr spielt.

Der allgemeine Interessenverlust betrifft nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch sein direktes und indirektes Umfeld. Sie zeigt sich durch Unfähigkeit, Gefühle und Emotionen zu zeigen und ein Unvermögen, auf andere Personen reagieren zu können. Zuspruch und Hilfestellung durch Angehörige und Freunde werden nicht aufgenommen.

Die drei Hauptsymptome sind nicht immer klar voneinander zu trennen, sondern treten in der einen oder anderen Form in der Regel gemeinsam auf. Sind mindestens zwei der Hauptsymptome vorhanden, dann liegt bei weiteren Zusatzsymptomen eine Depression vor. Diese weiteren Zusatzsymptome können sehr unterschiedlich sein und hängen manchmal auch vom Alter, Geschlecht und dem sozio-kulturellen Hintergrund des Betroffenen ab.

Typische Zusatzsymptome der Depression sind Konzentrationsschwierigkeiten, geringer Aufmerksamkeitsspanne, mangelndes Selbstvertrauen, Schuldgefühle, ein Gefühl der Minderwertigkeit, das Gefühl der Hilflosigkeit, Suizidgedanken, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Depressionen gehen oft mit Angststörungen einher, beispielsweise Hypochondrie. Insbesondere bei Männern kann auch ein aggressives Verhalten ein Symptom sein. Bei Depressionen treten mehrere dieser Zusatzsymptome auf.

Viele dieser Symptome haben auch körperliche Auswirkungen auf den Betroffenen. So hast du auch hier einen Gradmesser, ob ein Symptom möglicherweise vorliegt. So sind Schlafstörungen schnell körperlich bemerkbar und beobachtbar. Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit ist ebenfalls schnell beobachtbar. Eine (kurzfristige) Veränderung des Gewichts kann ein weiteres körperliches Anzeichen sein. Ein Druckgefühl in der Brust, Schmerzgefühl, Reizbarkeit, schnelleres Erkranken, vermindertes Denken, soziales Isolieren, Geräuschempfindlichkeit und Verlust der Libido sind weitere körperliche und erkennbare Anzeichen des Körpers.

Behandlung der Depression

Depressionen sind eine relativ häufige und auch eine gut erforschte Erkrankung. Du bist also damit ganz sicher nicht allein, wenn du von Depressionen betroffen bist. Tatsächlich sollte bereits ein guter Hausarzt eine Depression erkennen können – was leider nicht immer der Fall ist. Es gibt verschiedene, gut ausgearbeitete Verfahren, eine Depression zu erkennen und auch genau zu diagnostizieren. Das ist auch insofern wichtig, die genauen Hintergründe zu kennen, um die richtige Behandlungsmethode zu ermitteln. Die Diagnose findet mittels Fragebögen statt, anschließend schließt der Facharzt (Psychiater, Psychotherapeut) mittels Differenzialdiagnostik andere Ursachen aus. So kann festgestellt werden, ob und in welcher Schwere eine Depression vorliegt.

Die gute Nachricht ist, dass Depressionen unabhängig von der Ursache gut behandelbar und in vielen Fällen auch heilbar sind. Bei mittelschweren und schweren Depressionen ist der Behandlungsansatz meist eine Kombination aus Medikamenten (Antidepressiva) und eine Psychotherapie. Sie findet ambulant statt und nur in schwerwiegenden Fällen, beispielsweise bei einer Suizidgefahr, wird eine stationäre Behandlung durchgeführt. Die Behandlung wird oft ergänzt durch Online-Programme und Stimulationsverfahren.

An Medikamenten, Therapiemaßnahmen und Stimulationsverfahren stehen jeweils diverse Möglichkeiten zur Verfügung. So hat jeder Einzelfall eine gute Chance, die richtige Behandlungsmethode zu bekommen. Als weitere Unterstützung und auch als Ansatz bei leichten Depressionen gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Sport – auch als Sporttherapie – kann dir ebenso weiterhelfen wie eine Ernährungsumstellung und eine Verbesserung des Schlafs. Auch Meditation und ähnliche Mittel sind geeignet, gegen eine Depression vorzugehen.

Tipps und weitere Möglichkeiten

Sowohl Betroffene als auch Angehörige und Freunde haben heute gute Möglichkeiten, Hilfe bei Depressionen zu bekommen beziehungsweise zu leisten. Beispielsweise gibt es diverse gemeinnützige Organisationen, die ausführliche Aufklärungsarbeit zum Thema Depressionen leisten und Hilfestellungen geben können. Dazu zählen das Deutsche Bündnis gegen Depression e. V., die Deutsche Depressionsliga und diverse Telefonseelsorge und Selbsthilfegruppen.

Als Betroffene oder Betroffener musst du dir bewusst machen, dass du mit einer Depression nicht allein bist – und dass es sich um eine Krankheit handelt. Die Telefonseelsorge als Notfall ist immer zu erreichen (unter 0800 1110111 oder 0800 1110222). Im Notfall kann auch das Krankenhaus oder der ärztliche Notdienst verständigt werden. Wenn du dich in Behandlung befindest, ist es wichtig, dass du dich genau an die Absprachen mit deinem Arzt oder Therapeuten hältst. Achte auf die Frühzeichen und Symptome, damit du möglichst schnell aus der Abwärtsspirale herauskommst.

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